Hilfe bei Hochwasserschäden

VERBRAUCHERINFORMATION 

Nach dem Hochwasser werden viele Schäden erst sichtbar

 Wenn das Wasser abgeflossen ist, wachsen die Pilze aus dem Boden und den Wänden. Mit den Pilzen kommen fast gleichzeitig die „Sanierer“. Besonders geschäftstüchtige Unternehmer „helfen“ den geschädigten Hausbesitzern, insbesondere bei der Trockenlegung der Gebäude.

Die Trockenlegung muss die erste Leistung zum Sanieren der mit Wasser vollgesogen Bauten sein. Das ist notwendig, um sich einigermaßen häuslich einzurichten, um die Möbel und Einrichtungen wieder zurückzubringen.

Leider ist es sehr oft der Fall, dass die geschädigten Hausbesitzer weiteren Schaden dadurch erleiden, dass man ihnen nicht nur verspricht, die Mauern trockenzulegen, sondern sie auch noch um einiges an Geld erleichtert.

Bevor sie einer Firma einen Auftrag erteilen erkundigen sie sich genau, wie was durchgeführt werden soll.

Es ist möglich, mit großen elektrisch betriebenen Trocknern einen Teil der Schäden dadurch zu beheben, dass man der Luft im Haus die Feuchtigkeit entzieht und damit auch langsam eine Reduzierung der durchfeuchteten Wände und Böden ermöglichen kann.

Die Böden, insbesondere dann, wenn sie eine Wärmedämmung aufweisen, müssen extra getrocknet werden.

Wenn der Bodenbelag -Teppichboden oder PVC etc.- dicht ist, muss die unter dem Estrich befindliche Wärmedämmung in jedem Falle getrocknet werden. Dies geschieht durch anbohren des Estrichs und durch das Einblasen von heißer, getrockneter Luft mit entsprechenden Maschinen.

Es ist auch deswegen notwendig um

  1. a) die Wärmedämmung wieder funktionsfähig zu bringen und
  2. b) um dadurch Kondenswasserbildung zu vermeiden.

In der Regel geschieht folgendes, durch die feuchte Umgebung, entsteht mehr Tauwasser, als über die natürliche Verdunstung entweichen kann. Dadurch entsteht auch der Effekt, daß sich die Feuchtigkeit im Baustoff wieder aufschaukelt.

Eine gute Art der Trocknung ist, mittels Heißluftmaschinen (wie z.B. bei der Zeltbeheizung) das Einblasen von sehr warmer Luft und der Öffnung sämtlicher Fenster für einen schnellen Luftaustausch zu sorgen. Gleichzeitig soll der Luft die Feuchte mittels Entfeuchter entzogen werden. Dabei kommt es auch zu einem sehr starken abdunsten der Oberflächen und zu einem austrocknen der Boden- und Wandoberflächen.

Erfahrungen aus früheren Hochwasserkatastrophen

Diese Techniken der Bautrocknung wurden auch schon 1960 und 1971 bei den Hochwasserschäden in Hamburg mit Erfolg praktiziert. Es haben sich Gemeinschaften gebildet die unter Federführung des Deutschen Holz- und Bautenschutz Verbandes Auskunft über die nächstgelegene Fachfirma geben können.

Eine andere Art der Trockenlegung ist es, mittels Kondens,- oder Absorbtionstrockner die Luftfeuchte soweit abzusenken, dass es zu einer Reduzierung der Feuchte und dadurch auch zu einer Trocknung der Oberflächen kommt. Dabei sind alle Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Da diese Geräte (Kosten ca. 300-1000 € je nach Typ) ca. 20-40 LTR. Wasser am Tag „absaugen“ können, ist dies ebenfalls eine sehr praktikable und einfache Möglichkeit die Häuser zu trocknen.

Eine wesentliche Hilfe ist es, vorab alles Wasser, mittels spezieller Industriesauger oder Nass Sauger soweit wie möglich abzusaugen. Diese Gerätetypen sind in den Baumärkten schon ab ca. €uro 100,–  bis 200,– zu erstehen und haben eine sehr starke Saugleistung. Sie können auch grobes Material (Schlamm und Schmutz) bis ca. 40 mm Durchmesser mit aufsaugen.

Vorsicht: Ungeeignete Verfahren

Es geht los mit dem Aufstellen von ungeeigneten Luftentfeuchtern.

In den Baumärkten sind sie in allen Varianten anzutreffen. Dabei sind die Geräte gemeint, die mit Silikagel betrieben werden. Das ist ein Granulat, das Wasser anzieht und in eine Auffangschale abgibt. Meist handelt es sich um Kleinstgeräte mit 1 Liter Fassungsvermögen. In ca. 4 Wochen löst sich dieses Silikagel auf und die Flüssigkeit ist im Behälter gesammelt. Hier handelt es sich wirklich nur um „Spielzeug“, also um untaugliche Geräte für die Trockenlegung von Häusern. Diese Geräte sind noch nicht einmal für einen Raum geeignet, sondern höchstens um einen feuchten Schrank oder Bettkasten zu trocknen.

Andere Trockenlegungsarten wie z.B. Mikrowellen etc. sind ebenso untauglich, ganz zu schweigen davon, dass es absoluter Nonsens ist, mittels Elektroosmose oder anderer elektrophysikalischer Verfahren eine Trockenlegung zu erreichen. Diese Verfahren funktionieren an hochwassergeschädigten Häusern genauso wenig wie an allen andern Altbauten. Leider stößt man immer wieder auf solche Anbieter, genauso wie auf Firmen die eine Trockenlegung mittels Chemikalien anbieten.

Mögen einige dieser Verfahren noch für den Altbau im Normalfalle unter bestimmten Voraussetzungen einen Sinn ergeben, so sind sie samt und sonders ungeeignet, eine Trockenlegung an einem hochwassergeschädigten Haus zu bewirken.

Auch alle anderen Verfahren die sonst im Altbau bei der Bauinstandsetzung eingesetzt werden, sind für diese Trockenlegung ungeeignet.

Besonders schlimm wird es auch, wenn Hausbesitzern suggeriert wird, dass die Trockenlegung auch mittels „Entfeuchtungsputzen“ geschehen kann.

Hierbei ist zwar die Wortwahl sehr günstig, jedoch für diese Trockenlegung völlig ungeeignet.

Wenn Putze soweit geschädigt sind, dass diese erneuert werden müssen, dürfen nur Sanierputze nach den Richtlinien der WTA* zur Anwendung kommen. Die Eigenschaften, wie z.B. Wasserdampfdurchlässigkeit, Wasseraufnahme, Festigkeit etc. sind entscheidend und in dem Merkblatt

Nr. 2-9-20D Sanierputzsysteme (ähnlich der DIN-Norm) verankert.

Dabei ist es besonders wichtig, dass der Sanierputzhersteller die geforderten Eigenschaften garantiert und mittels Prüfzeugnis nachweisen kann.

Die Schimmelpilze sind bei manchen Menschen Auslöser von Allergien

Die Gesamtproblematik der Feuchteschäden hängt auch damit zusammen, daß sehr leicht und schnell Schimmelpilze und auch der „echte Hausschwamm“ wachsen können. Insbesondere dann, wenn z.B. Möbel und Verkleidungen im Raum verbleiben. Tapeten und Tapetenkleister, sowie einige Anstriche sind ein guter Nährboden. Deswegen sind die Keller und überschwemmten Räume schnellstens restlos zu räumen und zu säubern, damit nichts zu „faulen“ beginnt.

Schimmelpilze und deren Sporen können auch zu verschiedenen Krankheiten (z.B. Leberschäden) führen. Eile ist also geboten.

Wichtig ist es zu wissen, dass nicht alles faulen kann, wie z.B. Baustoffe aus Naturstein, Ziegel, Verputz und Mörtel. Diese Materialien können ohne weiteres auch über einen längeren Zeitraum völlig durchnässt sein, ohne Schaden zu erleiden. Alle Boden- und Wandflächen aus Beton werden ebenso nicht geschädigt.

In der Regel kann auch Holz lange feucht bleiben, ohne daß es dabei zu starken Schädigungen kommt. Wenn anschließend wieder schnell getrocknet wird. Hohlräume und Fehlböden brauchen allerdings eine besondere Beachtung.

Das richtige Lüften ist in den folgenden Monaten besonders wichtig.

Man soll daran denken, dass:

*  es wichtig ist, dass richtig geheizt und gelüftet wird.

*  die Fenster zum Lüften nur kurz zu öffnen sind in der Regel reichen 2-3 Minuten, am besten in der Frühe, wenn die Temperaturunterschiede zwischen außen und innen noch sehr groß sind, dafür zwei bis dreimal, im Abstand einer halben Stunde. Es sollen die Oberflächen der Möbel und der Wände nicht unnötig abkühlen

*  es falsch ist, wenn tagsüber die Heizung ganz abgedreht und abends schnell wieder aufgeheizt wird

*  dass die Temperatur relativ gering schwanken sollte. Wer also im Schlafzimmer kühl schlafen möchte, muss darauf achten, dass die warme Luft aus der Wohnung nicht in die Schlafräume gelangt, sonst kühlt diese an der kalten Wand ab und es kann Kondenswasser entstehen

*  durch das Kippen der Fenster kaum ein Luftaustausch stattfindet, jedoch die Fenster- oder Türlaibungen stark abkühlen

*  der Wasserverbrauch (Blumengießen -Heizkörperbefeuchter -Duschen und /oder Baden bei geöffneter Türe etc.) in der Wohnung insbesondere im Frühling und Sommer stark eingeschränkt werden soll.

Es ist besonders wichtig darauf zu achten, die richtige Fachfirma und den richtigen Verarbeiter zu finden.

Dies ist nicht immer einfach. Am sichersten ist dies, wenn sie sich über die Handwerkskammer oder die Bauinnung und die Verbraucherverbände sowie der Gemeinde- und Stadtverwaltungen erkundigen. Auch die WTA e V.  hat bereits angeboten, generelle Fragen zu beantworten. Diesem Verein sind mehr als 500 Mitglieder angeschlossen, meist Vertreter von Hochschulen aber auch von Denkmalpflegeämtern und ähnlichen Institutionen aber auch Vertreter der Bauchemie und des ausführenden Gewerbes.

Weitere Adressen:

Deutscher Holz- und Bautenschutz Verband  e V,  Hans-Willi-Mertens-Str. 2;  50858  Köln;

Tel. 02234 / 484 55   Internet: http://www.dhbv.de/

Bauinnung München; Westendstr. 179, 80686 München Tel. 089 / 5707040

Bayerische Hausbesitzer- Zeitung, Herzog-Wilhelm-Str. 10, 80331 München Tel: 089/ 55141-551

WTA –  Wissenschaftlich Technische Arbeitsgemeinschaft für Denkmalpflege und Bauinstandsetzung e.V.; 80686 München, Edelsbergstr. 8, Tel. 089/57869727; www:wta.de

Bauzentrum München Konrad-Zuse-Platz 12; Tel. 089/5463660

Verbraucherzentrale Bayern e.V., Mozartstr. 9, 80336 München, Tel: 089 /5527940

 

Wenn sie sich an die oben aufgeführten Verbände und Institutionen wenden, ist die Gefahr, dass Sie auf Betrüger hereinfallen, schon sehr eingeschränkt.

 

Edmund Bromm

Ehrenamtlicher Berater, Bauzentrum München

 

 

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Über Bromm Edmund

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